Sicher unterwegs im Hochgebirge – Eis- und Gletscherkurs des DAV Nagold

Die Aus- und Weiterbildung ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit bei der DAV Sektion Nagold. Sechs Teilnehmende waren für vier Tage mit den beiden Berg- und Hochtouren-Trainern Sven Ralfs und Matthias Seeger auf der Stüdlhütte am Großglockner (Österreich) unterwegs. Im Fokus standen Materialkunde, Sicheres Verhalten am Berg, Üben von Notfallsituationen und Wichtiges zur Tourenplanung und -Durchführung – eben alles, was die Teilnehmer benötigen, um sicher im Hochgebirge unterwegs zu sein.

Gemeinschaftsfördernd und umweltschonend erfolgte die Anreise der Truppe mit dem Vereinsbus und einem Kofferraum voller Hochtouren-Rucksäcke, die vollgepackt waren mit Hüftgurt, Helm, Karabinern, Bandschlingen, Klettersteigset, Steigeisen, Pickel, Biwaksack, Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set und allem was man auf der Hütte, unterwegs und zum Anziehen braucht. Am Lucknerhaus durfte das Fahrzeug dann seinen Stellplatz für die nächsten Tage beziehen und die Gruppe bereitete sich für den 2,5 stündigen Aufstieg zur Stüdlhütte (2.802m) mit knapp 900 Höhenmetern vor. Vorbei an einer sich ständig ändernden Vegetation und an wenig scheuen Murmeltieren wanderten die Bergbegeisterten mit offenen Augen und in Gedanken für die erste Kursaufgabe – Gefahren in den Bergen – in Richtung Hütte.

Der erste Nachmittag und Abend auf der Hütte wurde genutzt, um sich nochmals besser kennenzulernen und die Erwartungen und Wünsche an den Kurs abzugleichen. Den Trainern ist und war es wichtig das Programm auf die Kursteilnehmer bestmöglich abzustimmen, um den Erfahrungs- und Wissensgewinn zu maximieren. Gestartet wurde der Kurs dann mit der praktischen Materialkunde: persönliche Schutzausrüstung am Berg und alles, was man auf Hochtour braucht. Erhellend war für die Teilnehmer vor allem das „Ablaufdatum“ für Textilmaterialien wie zum Beispiel Gurt, Schlingen oder Klettersteigset. Auch die wichtigen Normen, die die Sicherheit des verwendeten Materials garantieren waren ein wichtiger Bestandteil – zum Beispiel sollten aufgrund erheblicher Sicherheitsrisiken alle Klettersteigsets vor der Norm aus dem Jahr 2017 entsorgt werden. Nach praktischen Übungen zum Anseilen für den Gletscher und Organisation am Gurt wurde vor dem Abendessen noch das Thema Gefahren am Berg besprochen und was man zur Vermeidung bzw. in der entstandenen Situation macht. Das sehr üppige und leckere – fast schon hotelhafte – Abendessen auf der Stüdlhütte rundete den ersten Kurstag ab.

Aufgrund des noch etwas regnerischen Wetters am nächsten Vormittags schoben die beiden Trainer die Losgehzeit für den Gletscher um eine knappe Stunde nach hinten und schoben noch eine Theorieeinheit zur Gletscherkunde ein – die dann später auf dem Gletscher mit realen Gegebenheiten abgeglichen wurde. Vor dem Gletscherbetreten wurden die Steigeisen angelegt und das Gehen mit den vielen Zacken am Fuß geübt – auch auf Fels mit überraschend viel Halt auf steilen Felsblöcken. Die beiden Trainer gaben Hinweise und Tipps zur effizienten und sicheren Fortbewegung mit Steigeisen bevor es dann angeseilt aufs Eis in Richtung Wechte zur Spaltenbergungsübung ging. Dort wurde praktisch durchgespielt, was zu tun ist, falls trotz aller Vorsicht doch mal jemand in eine Gletscherspalte fällt – jeder durfte mal retten und sich auch in die Rolle des zu Rettenden begeben. Auch an diesem Nachmittag und Abend wurden wichtige Themen für die Berge besprochen: Wetterkunde und Tourenplanung – beide Themen könnten ein Wochenende füllen, aber in gemeinsamer Diskussion konnten die wichtigsten Belange herausgestellt werden, die für eine erfolgreiche und sichere Tour wichtig sind. Neben dem 3x3 der Tourenplanung legten Sven und Matthias viel Wert auf das Einhalten der selbst gesteckten Zeitvorgaben an den Kontrollpunkten und den jeweiligen „Plan B“. Dies ist essenziell um Selbstüberschätzung zu vermeiden oder mit widrigen Bedingungen umzugehen, was sie mit Beispielen aus ihrer persönlichen Bergerlebnissen verdeutlichten.

Der nächste Kurstag war Tourentag – es ging zur Erzherzog Johann Hütte (3.454m) auf dem Ostgrat des Großglockners. Auf dem Weg dort hin wurde das Gehen & Fallen im Firn geübt – eine oft unterschätzte Situation auf Wanderungen und Bergbesteigungen. Auf Po und Bauch rutschten die Teilnehmer einen Firnhang hinunter und bremsten sich mit und ohne Eispickel ab – die strahlenden Gesichter zeugten von Spaß und gewonnener Sicherheit.

Über einen Klettersteig gelangte die ambitionierten Bergsteiger dann auf Steigeisen zur Adlersruhe – dem Zweitnamen der Hütte. Das Begehen des Steiges mit Steigeisen war für die Teilnehmer neu, aber zugleich gewöhnten sie sich schnell daran und schätzten den zusätzlichen Grip auf kleinen Felsnasen und auf rutschigem Untergrund. Nach kurzem Mittagshalt auf der Hütte stieg die Gruppe dann noch bis zur 3.500m Linie unter dem majestätischen Großglockner. Nach dem Abstieg und einer weiteren Übung im Firnhang fand sich die Gruppe wieder auf der Hütte ein, um noch über das Thema Naturschutz und Erste-Hilfe am Berg zu sprechen. In diesem Zusammenhang wurde auch noch über Berg- und Hüttenknigge gesprochen, die scheinbar leider durch vermehrten Berg- bzw. Hüttentourismus leidet. Rücksichtsvolles, freundliches, unterstützendes und ressourcenschonendes Verhalten sollte jeder am Berg als Selbstverständlichkeit mitbringen.

Großes Gesprächsthema waren am Abend auch die beiden Unfälle und Helikoptereinsätze, die über den Tag auf dem Stüdlgrat und auf dem Ködnitzkees beobachtet wurden. Einer der beiden Fälle war laut Bericht und Bergführerüberlieferung auf fehlerhaftes Material bzw. falsche Nutzung zurückzuführen – dies bestätigt die Wichtigkeit der Materialprüfung des Vortages und den Nutzen von Kursen.

Viel zu schnell neigte sich der Kurs seinem Ende zu. Für den Kursabschluss nutzen die beiden Trainer des DAV Nagold am letzten Tag auf dem Abstieg die Lucknerhütte mit ihrem leckeren Kaiserschmarn – gegenseitiges Feedback wurde gerne geteilt und aufgenommen. Mit einer Liste an Tourenempfehlung gaben Sven und Matthias den Teilnehmern noch Orientierung für ihren Einstieg ins Hochtouren-Leben.